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Magen-Darm-Erkrankungen bei Hunden und Katzen

Symptomatik

Die klassischen Symptome einer Magen-Darm-Erkrankung sind Erbrechen und Durchfall. Dabei sind Kotabsatzfrequenz und -volumen häufig deutlich erhöht, oft findet man in Kot und / oder Erbrochenem schleimige, manchmal auch blutige Beimengungen. Hinzu kommen meist noch unspezifische Symptome wie Appetitlosigkeit und Schwäche, evtl. auch Fieber und laute, gluckernde Verdauungsgeräusche.

So einheitlich und z.T. harmlos die beschriebene Symptomatik auch erscheinen mag, die Ursachen hierfür sind unglaublich vielfältig. Neben einfachen Infekten oder einem „verdorbenen Magen“ nach einer zu fettreichen oder ungenießbaren Mahlzeit kommen als Auslöser u.U. ebenso Vergiftungen, schwere Infektionen oder organische Krankheiten in Frage. Auch Würmer und andere Darmparasiten können bei einem Massenbefall Magen-Darm-Symptome hervorrufen. Sowohl Durchfälle als auch Verstopfungen sind mögliche Erscheinungsformen. Entsprechend groß ist die Bandbreite an Therapiemöglichkeiten. Der Weg zur richtigen Diagnose und eine erfolgreiche Therapie der ursächlichen Erkrankung erfordern also in jedem Fall eine gute Fachkenntnis seitens des behandelnden Tierarztes.

Akute und chronische Krankheitsverläufe

Generell werden Krankheiten nach ihrem Verlauf in akute und chronische Zustände eingeteilt. Diese Begriffe geben lediglich Auskunft über die zeitliche Dauer des Geschehens, aber nicht über den Schweregrad. Akute Prozesse treten plötzlich auf, haben meist einen eindeutigen Ausgangspunkt und dauern ca. drei Tage bis zwei Wochen an. Ist der Beginn einer Erkrankung nicht eindeutig bestimmbar, da sich das Geschehen schleichend und über einen längeren Zeitraum als 14 Tage entwickelt, so ist die Krankheit chronisch. Nicht nur im Zusammenhang mit einer Magen-Darm-Erkrankung liefert die Bewertung des bisherigen Krankheitsverlaufs wertvolle Hinweise auf die möglichen Ursachen der Erkrankung.

Einen akuten Verlauf zeigen z.B. die meisten Infektionskrankheiten. Diese werden in der Regel durch Viren ausgelöst, die die Zellen der Darmzotten für ihre Vermehrung nutzen und das Gewebe dadurch z.T. massiv schädigen. Auch verschiedene Bakterienarten können die Darmzellen durch die Bildung spezifischer Toxine schädigen. In der Folge kommt es zu einer starken Einschränkung der Resorptionsfähigkeit des Darms, so dass die im Futter enthaltenen Nährstoffe nicht mehr ausreichend aufgenommen werden können und im Darm verbleiben. Auf osmotischem Wege folgt Wasser nach, man spricht auch von einer „osmotischen Diarrhoe“. Die Tiere haben plötzlich flüssigen Durchfall häufig mit Blutbeimengungen, auch Fieber kann hinzukommen.
Ebenso können akute Durchfälle (z.T. mit Erbrechen) bei einer zu plötzlichen Futterumstellung auftreten, oder wenn die Nahrung zu kalt, zu fettreich, verunreinigt oder verdorben ist. Auch nach der Aufnahme von Giftstoffen ist eher mit einem akuten Krankheitsgeschehen zu rechnen.

Zu den Magen-Darm-Erkrankungen mit chronischem Verlauf zählen z.B. Futtermittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten sowie verschieden erbliche und auto-immun bedingte Fehlfunktionen der Darmtätigkeit, die oft auch mit einer bakteriellen Fehlbesiedelung des Darms einhergehen. Als konkretes Beispiel ist hier die Inflammatory Bowel Disease oder IBD zu nennen, die bei bestimmten Hunderassen gehäuft auftritt. Dabei handelt es sich um eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut, die nach Phasen der Besserung in Folge einer Unverträglichkeit oder Allergie auf bestimmte Futterbestandteile immer wieder neu aufflammt oder einfach dauerhaft besteht. Die Resorptionsfähigkeit der Darmzotten ist hier auf Grund der im Rahmen der Entzündungsreaktion ablaufenden Prozesse z.T. erheblich gestört – die Folge ist eine osmotische Diarrhoe.

Was ist eine Futtermittelallergie / Futtermittelunverträglichkeit?

Da diese Thematik für viele Tierbesitzer von zunehmend großem Interesse ist, wird im Folgenden kurz darauf eingegangen.
Häufig werden die Begriffe „Unverträglichkeit“ und „Allergie“ synonym verwendet. Sie meinen jedoch nicht das Gleiche und sind voneinander abzugrenzen.
Bei einer Unverträglichkeit kann der Körper auf Grund seiner Enzymausstattung bestimmte Nährstoffe nicht aufnehmen. Diese verbleiben also unverdaut im Darm, aus rein physikalischen Gründen folgt Wasser nach (Osmose). Das wohl bekannteste Beispiel ist die Laktose-Intoleranz, also die Unfähigkeit Milchzucker zu verdauen, des Menschen.
Bei einer Allergie ist immer das Immunsystem mitbeteiligt. Nach dem Kontakt mit einem allergieauslösenden Stoff (sog. Allergen) kommt es also immer zu einer Entzündungsreaktion. Findet der Allergenkontakt im Darm statt, so werden die Darmzotten durch die Abläufe und Stoffwechselprodukte des Entzündungsprozesses geschädigt. Wie bei der IBD ist die Folge eine osmotische Diarrhoe.
Allergien entstehen durch eine Fehlleitung des Immunsystems. Normalerweise bildet der Körper nach einem Erstkontakt mit Eiweiß-Strukturen von schädlichen Viren oder Bakterien etc. Abwehrstoffe (sog. Antikörper) dagegen. Werden nach einem Kontakt mit harmlosen Proteinen wie z.B. Hühnereiweiß plötzlich Antikörper gebildet, so folgt beim nächsten Kontakt mit diesem Stoff eine allergische Reaktion, die neben den beschriebenen Magen-Darm-Problemen auch zu juckenden Hautveränderungen führen kann.

Diätetische Maßnahmen

Bei allen Magen-Darm-Erkrankungen ist eine strikte Diät notwendig, die sich immer an der Krankheitsursache orientieren muss. Da die unterschiedlichen Krankheiten z.T. konträre Diätmaßnahmen erfordern, ist eine gute Diagnostik unumgänglich.
Bei einer akuten Gastroenteritis (z.B. ausgelöst durch Viren oder Bakterien) hat die Substitution von Flüssigkeit und Elektrolyten oberste Priorität. Dies geschieht bei schweren Erkrankungen unter Umständen parenteral, also am Darm vorbei, durch einen Tropf. Es sind aber auch verschiedene orale Elektrolytlösungen auf dem Markt. Viele Tierärzte empfehlen zunächst eine Nahrungskarenz von 24-48 Stunden, damit der Darm zur Ruhe kommen kann. Anschließend ist die Fütterung einer hochverdaulichen, vitaminreichen und evtl. auch kalorienreichen Schonkost bis zur Genesung und Normalisierung der Kotkonsistenz angezeigt. Verschiedene Hersteller bieten hier eine breite Produktpalette für Hunde und Katzen an.

Die sog. faserresponsive Diarrhoe verlangt im Gegenzug zu der bereits angesprochenen Schonkost eine faserreiche Diät, welche z.B. bei dem oben beschriebenen Krankheitsbild nicht eingesetzt werden sollte.
Auch dem Allergiker muss wiederum mit einer gänzlich anderen Fütterung begegnet werden. Hier hat sich die Nutzung ausgewählter, seltener und „neuer“ Proteinquellen bewährt, mit denen der Organismus vorher vermutlich noch nie im Kontakt war (Ente, Strauß, Kartoffel, Tapioka etc.), oder aber der Einsatz sog. hypoallergener Diäten. Die Antikörper-Antwort auf ein allergenes Protein erfolgt immer nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, d.h. Allergen und Antikörper passen wie Puzzleteile zueinander. Zerkleinert man nun die im Futter verwendeten Eiweiße mit Hilfe von Enzymen bereits im Herstellungsprozess, so passen diese Proteinbruchstücke nicht mehr zu den Antikörpern und lösen auch keine allergische Reaktion mehr aus. Der Nährwert der Proteine geht dadurch nicht verloren, da diese ja lediglich klein geschnitten bzw. vorverdaut werden. Ein weiterer positiver Effekt gerade für verdauungssensible Tiere ist die leichte Verdaulichkeit einer hypoallergenen Nahrung, da dem Darm ja ein Teil der Verdauungsarbeit bereits abgenommen wurde.
Teilweise überschneiden sich die Einsatzmöglichkeiten verschiedener Magen-Darm-Diäten aber auch. Da es für den Tierbesitzer schwierig ist, bei den gebotenen Fütterungsmöglichkeiten den Überblick zu behalten bzw. das für seinen Einsatzzweck am besten geeignete Produkt zu finden, ist eine ausführliche Diagnosestellung sowie eine gute tierärztliche Betreuung während der gesamten Therapiedauer notwendig.


Bei blutigem Durchfall bzw. blutigem Erbrechen sollte übrigens immer umgehend der Tierarzt aufgesucht werden – auch nachts und am Wochenende!